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Es war einmal

Es war einmal ….

ein Maharadscha, der hatte einen Diener. Aber sie waren sehr gut befreundet, haben vieles zusammen unternommen, sind zusammen ausgeritten. Bei irgendeiner Tätigkeit schnitt sich der Maharadscha in den Finger, so tief, daß der Chirurg die Fingerkuppe amputieren mußte. Der Diener, welcher danebenstand, freute sich und sagte: „Das ist gut.“ Der Maharadscha in seinem Schmerz ließ in einem Anflug von Unbewußtheit seinen Diener einkerkern.

Zeit verging, die Wunde heilte und der Maharadscha ritt allein aus. Damals gab es in Südindien eine der Göttin Kali Menschenopfer bringende Sekte, die Thugs. (Jetzt sind wir wieder beim Thema) Die gab es wirklich. Auf einmal – er hatte sich etwas zu weit von seinem Palast entfernt – wurde er von den Thugs umstellt und gefangen genommen. Er sollte geopfert werden. Kurz bevor man ihn töten wollte, bemerkte einer der Thugs, daß dem Maharadscha eine Fingerkuppe fehlte. Der Brauch sah aber vor, daß nur Gesunde der Göttin geopfert werden durften. Sie mußten ihn leider frei lassen.

Während er Heim ritt, erinnerte er sich den Worten seines Dieners – es sei gut. Und er verstand, daß – wäre dies nicht passiert, er geopfert worden wäre. Im Palast angekommen ließ er sofort seinen Diener befreien, zu sich bringen und sprach: „Du hattest recht. Ohne diese Verwundung wäre ich jetzt tot.“ Der Diener freute sich. Doch plötzlich hob der Maharadscha an und fragte: „Ja, das verstehe ich, aber warum hast Du diese Zeit im Kerker verbracht?“ Da hob der Diener seine beiden Hände und sprach: „Zuvor haben wir immer alles zusammen gemacht. Und ich bin gesund!“

Sie wären beide geopfert worden.

Was sagt uns das?

Wir erleben hin und wieder Missgeschicke, gehen Umwege im Leben, haben die ein- oder andere schmerzhafte Erfahrung… Im Lichte dieser Erkenntnis können wir über diese vermeintlich negativen Erfahrungen viel leichter hinwegsehen, wissen wir doch, daß alles was uns geschieht, letztlich unserer Weiterentwicklung dient, mehr noch, wir durch kleinere Schäden vor wesentlich größeren Schäden bewahrt werden.

 

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